Lene Voigt

Leidenschaftliche Mundartdichterin

Goethe sagte einst: „Jede Provinz liebt ihren Dialekt: denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.“

Ausgelebt hat das die Schriftstellerin und sächsische Mundartdichterin Lene Voigt. Sie wurde am 2. Mai 1891 in Leipzig als Helene Wagner geboren; ihr Vater war Schriftsetzer, ihre Mutter wollte, dass sie Kindergärtnerin würde.
Am 19. September 1914 heiratete sie den ehemaligen Musiker Otto Voigt (1890-1976). Im selben Jahr erschien ihr erstes Buch „Finale“, gewidmet der Sängerin Aline Sanden (1876-1955). Und sie wurde Mitautorin der Anthologie „Dichtung und Prosa Leipziger Frauen“.
1920 ließ sich das Ehepaar scheiden – sie blieben aber bis zum Schluss in Kontakt – und Lene arbeitete als freie Schriftstellerin. Ihre Parodien in sächsischer Mundart wurden ihr Markenzeichen.

Für Lene Voigt war das Schreiben aber auch ein Weg zur Bewältigung von Schicksalsschlägen. Als am 2. Februar 1924 ihr fünfjähriger Sohn Alfred starb, schrieb sie:

„Ä Seichling liecht im Ginderwaachen / Un nubbelt voller Wohlbehaachen. / De Leite, die vorieberjaachen, / Die missen sich ganz neidisch saachen: / So hamm mir ooch in friehsten Daachen /n Dahingedeest, noch frei von Blaachen / Un Sorchen um des Maachenfraachen, / Die’s schbätre Lähm uns zugedraachen. / Drum, Seichling uff dein Unterlaachen, / Geniß dei Glick im Ginderwaachen!“

1929 zog sie nach Bremen, 1934 nach Lübeck und 1935 nach Flensburg. Während dieser Zeit erschienen von ihr unter anderen „Säk’sche Balladen“, „Säk’sche Glassigger“, „Mally der Familienschreck“, „Mir Sachsen – Lauter gleenes Zeich zum Vortragen“ und Leibzcher Lindenblieten“.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde ihr unter anderem Verunstaltung der deutschen Klassiker vorgeworfen. Gauleiter Martin Mutschmann sorgte ab 1936 dafür, dass Lene Voigts Arbeiten nicht mehr publiziert werden durften.

Nach dem Krieg 1945 waren Lene Voigt und ihre Werke in Vergessenheit geraten. Ihr Geld verdiente sie beim Rat des Kreises Leipzig-Land in der Lebensmittelkartenstelle. 1946 diagnostizierte man bei ihr in der Nervenklinik der Leipziger Universität Schizophrenie. Kurze Zeit später wurde sie in das Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie Leipzig-Dösen eingewiesen. Dort arbeitete sie später auch als Botin in der Verwaltung.

Lene Voigt nutzte das Schreiben als eine Therapie. Ihre Werke verschenkte sie an Mitarbeiter des Krankenhauses, das sie nicht mehr verließ. Sie starb dort am 16. Juli 1962.

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