Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung

„Du musst sofort kommen. Wir haben die Buchhandlung gekauft. Scheiße, wir haben eine Buchhandlung gekauft!“
Für diesen Satz liebe ich Petra Hartlieb. Da hat die Familie Hartlieb – Frau, Mann und zwei Kinder -, zufrieden in Hamburg lebend, mal eben so eine Buchhandlung in Wien gekauft. Man hat ja einen Ex, der einem einen zinslosen Kredit gewährt und man hat Freunde in Wien, die einem ein Dach überm Kopf bieten, bis die Wohnung bezugsbereit ist. Was soll’s also: Kaufen wir eine Buchhandlung.
Es ist die zweite Oktoberwoche, am 4. November soll in Wien Eröffnung sein. Es muss gekündigt werden, ein Kindergartenplatz gesucht werden, umgezogen werden und ein Buchladen muss neu renoviert und bestückt werden. Und dann muss der Mann nach der Neueröffnung wieder nach Hamburg zurück, seine halbjährige Kündigungsfrist einhalten. So steigt er ins Auto und lässt mich „als frischgebackene alleinerziehende Unternehmerin ohne eigene Wohnung zurück. Mich, die ich nie mehr alleinerziehend sein wollte. Auch nie Unternehmerin. Und Buchhändlerin bin ich ja auch nicht. Wie gut, dass ich keine Zeit habe, darüber nachzudenken, wie sehr ich mich überfordert fühle“.
Ich denke einfach mal, dass das ganze Projekt erfolgreich war, ansonsten hätte Petra Hartlieb das Buch sicher nicht mit so einer Prise Humor geschrieben, dass ich schon nach den ersten 20 Seiten gegrinst und gelacht habe.
Die wiedereröffnete Buchhandlung schlägt voll ein. Die Wohnung darüber wird fertig und man richtet sich ein. Aber diese Nähe zum Job – Wohnung und Buchhandlung sind durch eine Treppe verbunden – bedeutet auch, dass man kaum Feierabend machen kann. Das schafft man auf Dauer wohl nur mit Leidenschaft – oder ist es verrückt?
„Denn ganz normal ist es wohl nicht, wenn man nach einem Zehnstundentag, an dem man gefühlte zweihundert Bücher aller Genres nacherzählt hat, am Küchentisch sitzt, völlig begeistert die Vorschaupakete von Rowohlt und Hanser aufreißt und sich über einen neuen Auster oder T.C. Boyle freut, als hätte man noch kein einziges Buch auf dem Nachttisch liegen.“
Oh, wie gut kann ich sie verstehen. Geht es mir doch genauso – vielleicht nicht gerade mit Neuerscheinungen, ich stöbere ja lieber nach Büchern, die schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben. – Es ist wirklich eine Sucht.
Auf lockere Art und mit leichtem Humor versehen, erfahren wir, wie das Buchhändler-Leben so funktioniert. Wie viel Arbeit dahinter steckt, aber auch die Freude, seinen Traum zu leben, sei es auch noch so anstrengend. Petra Hartlieb betont aber auch immer wieder, dass sie es ohne die viele Hilfe von Freunden und Bekannten ganz sicher nicht geschafft hätten.
Und als ob es nicht reicht, eine Buchhandlung zu führen, schreibt Petra Hartlieb so ganz nebenbei noch ein Buch. Zwar in Kooperation mit einem deutschen Literaturkritiker, aber immerhin. Und das wird dann auch noch im Diogenes-Verlag verlegt. Und bei nur einem Buch bleibt es nicht.
Und es bleibt auch nicht bei nur dieser einen Buchhandlung. Aber das müsst ihr selbst lesen. Mir dreht sich da langsam der Kopf.
Ich frage mich, wo die Frau die Energie hernimmt. Aber eines weiß ich: Würde ich in Wien leben, wäre ich Stammkundin bei ihr. So bleibt mir aber nur, mir noch ein Buch von ihr zu kaufen und zu lesen, wie es Weihnachten in der Buchhandlung der Hartliebs zugeht. Darauf freue ich mich schon.

 

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4 Kommentare zu „Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung

  1. Liebe Anne,

    ich habe vor ein paar Jahren das Hörbuch gehört, aber es hat mich irgendwie nicht überzeugt. Ich weiß leider gar nicht mehr so genau die Gründe. Auf jeden Fall war der Kallpentext ein andere als auf dem Buch. Da stand drauf, sie hätte den Buchladen gewonnen oder geerbt. Vielleicht war das einer der Gründe, weil ich ganz andere Erwartungen an das Buch hatte. Aber ich kenne einige, die von der Autorin schwärmen. Sie hat inzwischen ja noch mehr geschrieben.

    Sei lieb gegrüßt
    Petrissa

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  2. Hahaha, liebe Petrissa, ich habe mir mal die Hörprobe angehört. In der Beschreibung steht: „Sie erzählt in einem schlagfertigen und humorvollen Ton…“ – das trifft die Sprecherin aber nicht. Und beim Lesen habe ich sie mir auch viel spritziger vorgestellt.
    Es gibt noch ein Buch, in dem sie über Weihnachten in ihrer Buchhandlung schreibt, darauf freue ich mich. „Ein Winter in Wien“ habe ich gelesen. Das war auch schön. Und auf „Wenn es Frühling wird in Wien“ freue ich mich auch.

    Liebe Grüße, Anne

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